Sonntag, 16. Mai 2010

Der Sommer zu Gast in Umea

Sonnenaufgang: 3:22
Sonnenuntergang: 21:48

Viel los zur Zeit. Langeweile weit und breit nicht erkennbar, man schleppt sich von einem Event zum nächsten, durchschnaufen ausgeschlossen.
Am Donnerstag gingen Christiane, Philipp, Stefan und ich wieder in die Megazone und spielten 4 Stunden lang Lasergame. Bewaffnet mit Weste und Laserpistole rannten wir, gingen in Deckung und schlugen die Gegner erfolgreich in die Flucht. Wieder gab es dieses Angebot, für 8 Euro 4 Stunden Action pur zu haben. GENIAL! Totgeschwitzt aber bei angenehm warmen Temperaturen konnte man im T-Shirt nach Hause radeln. Am Freitag Abend bekamen wir die erste Kostprobe, wie die finale Abschlussparty in zwei Wochen hier in Umea sein wird. Ende Mai, wenn hier jährlich die Brennball-Weltmeisterschaft stattfindet, wird ein ganzer Studentenstadtteil von der Polizei abgeriegelt, Feuerwehr und Krankenwagen sind im Dauereinsatz und versuchen die wie jedes Jahr aus dem Ruder fallende Party in den Griff zu kriegen. Die Menschen tanzen auf den Dächern, die Möbel brennen und kaum jemand wird unter 2 Promille anzutreffen sein. Aber das werd ich ja dann in 2 Wochen erst sehen. Diesen Freitag gab es ne kleine Warm-Up-Party bei der rund 1.500-2.000 (schwer einzuschätzen) sich im besagten Stadtteil zum Partymachen trafen, große Boxen aufstellten und nach kurzer Zeit die Dächer besiedelten, um Platz für neue Partywütige zu schaffen. So wurde die sehr sehr kurze Nacht zum tag gemacht, die anwohnenden Studenten sind sicher nicht vor 6 ins Bett gekommen. Trotz kurzer Unterbrechung, die Polizei versuchte den Strom abzustellen, ging es mit neuer Stromleitung weiter. Eigentlich ist es in Schweden verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken, aber bei tausenden Menschen bräuchte man Hundertschaften um dies zu unterbinden. Aber da es hier ja kaum Polizisten gibt, konnten diese auch nicht viel unternehmen.
Heute zum Samstag hatten wir perfektes Wetter! Als wir uns um 13uhr bei mir trafen, hatte es bereits 23°C. Zusammen spazierten wir knappe 3 1/2 Stunden um den See ehe wir den Grill anschmissen und das herrliche Sommerwetter genossen. Ich habe dabei auch den Elch auf einem Spielplatz gefunden, den ich seit Monaten gesucht habe. Ich ließ die Chance nicht ungenutzt und ritt in unnachahmlicher Art auf dem Koloss.

Generell muss man auch erwähnen, dass die Schweden ein komisches Volk sind. Sobald ein Sonnenstrahl die Erde berührt kommen alle raus, schmeißen den Grill an, liegen halbnackt auf Dächern und Wiesen und lassen sich den ganzen Tag von der Sonne brutzeln. Die gesamte Seeumwanderung lagen und liefen Horden von Menschen am See entlang. Viele erfrischen sich im arschkalten Wasser (ich habs nur geschafft meine Füße reinzuhalten), denn der See ist seit rund einer Woche Eisfrei. Und schon gehen die rein und schwimmen! Auch mein Wohnheim gleicht einem Freibad. Überall Handtücher, herumfliegende Volleybälle, Musikanlagen und sich sonnende Menschen.
Lustige Geschichte noch: Michael erinnerte mich letzte Woche Sonntag daran, mal bei ihm vorm haus vorbeizugucken. Denn jedes Fahrrad was kein Hinweisschild besaß das es noch benutzt werde, werde am nächsten Morgen von der Hausverwaltung auf einen Scheiterhaufen geworfen und eine Woche später entsorgt. Michael selbst vergaß dabei aber sein eigenes Fahrrad zu markieren. Dementsprechend schlecht gelaunt sah ich ihn am Montagabend von der Uni heimlaufen :-). Aber anscheinend konnte er sein altes Vehikel auf dem Friedhof neben dem Haus wiederfinden und weiternutzen. Unten ein Bild wie der Fahrradfriedhof aussieht. Ich konnte heute leider nichts mehr brauchbares finden. Erstaunlich ist hier auch, dass es immernoch ein paar vereinzelte Schneehäufchen gibt, trotz Temperaturen über 20°C und 15 Stunden Sonnenschein.


Das Foto hier wurde um 1:50 bei mir daheim aufgenommen. Wird also sehr schnell und früh hell :-)




Samstag, 8. Mai 2010

Der frühe Vogel fängt nichts.

Im Vergleich zu Deutschland, geht in Umea die Sonne bereits 2 Stunden früher auf und 30 minuten später unter. Sprich aktuell schon 2 1/2 stunden mehr Tag, hinzu eine ewig lange Dämmerung. Daher bekam ich von Do auf Fr nur wenige Stunden schlaf, bereits morgens um 6 herrscht die pure Sonne im Zimmer, selbst die Schlafmaske erfüllt nicht immer ihren Dienst wie gewünscht.
Am Mittwoch stand ein Power-Ausdauerkrafttraining auf dem Programm. 2 1/2 Stunden wurde ohne Unterbrechung vollste Konzentration und Kraft für den Marathon-Gympa benötigt. Der Muskelkater am Donnerstag war dementsprechend. Ruhepausen für den Körper gab es die Woche allerdings nicht. Am Donnerstag stand die ein internationales Brennball-Turnier an, bei dem sich Teams bestehend aus Internationalen Studenten in schwedens Volkssport messen durften. Mein zusammengestelltes Team konnte den Turniersieg erringen! Das Spiel ist dem Baseballspiel sehr ähnlich. In der Vorrunde schlugen wir in unserem ersten Spiel den Gegner mit einem Rekordverdächtgien 123:31, im Finale ging es dann mit 53:50 knapper zu. Freitag abend wieder 2 Stunden alles gegeben beim 4. selbst organisierten Internationalen Fussballturnier. Erfolgreich den 1. Platz erobert. Danach am See den Sieg mit einem leckeren Steak und Marshmallows gebührend gefeiert. Die folgende Nacht brachte dann 4 Stunden Schlaf, von 1.30 bis 5.20. Denn um 6 Uhr (ZUM SAMSTAG!!) traf ich mich mit Amir und Christiane zum Fischen. Unser kleiner iranischer Freund wollte uns zeigen wie man richtig Fliegenfischt oder wie man es auch immer nennen mag. Er selbst ist seit seiner Kindheit ein ausgezeichneter Angler und hat hier in Umea anfang des Jahres sein eigenes Fishing-Unternehmen gegründet. Eigentlich gingen wir davon aus ein paar Hechte zu fangen, die er normalerweise rund 10 Fahrradminuten entfernt fängt. Doch er wollte uns die Bachforelle präsentieren und so fuhren wir morgens um 6 ganze 18(!!!)km mit dem Rad den flussaufwärts. Nach über 1 1/2 Stunden über Stock und Stein fanden wir die geeignete Stelle und so zeigte er uns sein können. Leider ohne Erfolg, verharrten wir knappe 4 1/2 Stunden am schönen Fluss. Teilweise noch mit Eisschollen bedeckt erstreckte sich einer der längsten Flüsse Schwedens in seiner schönsten Pracht. So in etwa stelle ich mir auch Kanada oder Alaska vor. Amir machte mit seinem Outfit eine lustige Figur. Am Abend mussten Christiane und ich leider feststellen, dass wir einen Sonnenbrand im Gesicht haben! Obwohl es nur 8-10 Grad hatte, reichte dies aus um unser Gesicht rot zu färben. Autsch. Obwohl wir nichts gefangen haben war es dennoch sehr schön. Die Landschaft beeindruckte uns und der Weg dorthin brachte immer mal wieder kleine nette Geschichten hervor. So waren auf einem Teil des Weges verschiedene Regionen der nördlichen Hemisphäre auf einem Schild vermerkt, mal kamen wir an einem Buddha vorbei oder an kleinen Hinweißschildchen die mitteilten das Pferde manche Brücken nicht betreten durften.


Dienstag, 4. Mai 2010

Feuer Fressen Frühling

Am 30. April feiert man in Schweden "Valborg", zu deutsch Walburgisnacht. Walpurgisnacht wird in Schweden groß geschrieben. Auf jeden Fall in Umeå. Der Studentenchor hat gesungen, das Uni Orchester hat gespielt, eine afrikanische Tanzgruppe hat traditionelle Tänze aufgeführt und es gab Süßigkeiten- und Fressstände. Um 20 Uhr wurde dann das große Feuer angezündet und ein Konzert einer bekannten Schwedischen Band gab es oben drein als Zugabe. Achja und es gab ein Hasenrennen, bei welchem die seit Monaten trainierten Hasen über Hürden springen mussten. Verrückte Sache. Am Samstag lud Fanny zum International Dinner ein, Christiane, Susi und ich bereiteten einen Obstkuchen vor der von allen geliebt wurde. Davor wurden mir noch von Christiane die Haare geschnitten, denn 35 Euro für einen Frisör sind mir hier oben einfach zu viel. Der Frühling kehrt so langsam ein hier im kalten Norden. Die Temperaturen kratzen an der 10er Marke, der Schnee ist größtenteils weg, ab und zu sieht noch weisse Flecken zu sehen, auch ist der See noch größtenteils noch gefroren. Aber dies hält uns nicht vom Grillen ab und so sitzt man fast jeden Abend am See zu leckerem Fleisch und weniger leckeren Würstchen. Ziel der Grillaktionen sind auch die zur Zeit starken Sonnenwinde und die dadurch resultierenden Nordlichter. Die letzten Tage über sind sie stark genug um eigentlich in Umea gesehen zu werden, teilweise sogar so stark das es bis nach Stockholm reicht. Leider machten wir unsere Rechnung ohne die fiese Sonne. Sie ist einfach zu langsam. Der dunkelste Moment ist um 0uhr nachts. Allerdings ist der Horizont weiterhin hell und man sieht keine Sterne mehr. Folglich ist es auch zu hell um Polarlichter zusehen. Echt ärgerlich. Heute habe ich auf dem Nachhauseweg vom IKSU einen Igel gesehen wie er sich munter am Stadionrand bewegte. Hätte nich gedacht das die Dinger hier oben den langen winter überleben.

Anbei ein Foto wie es um 0uhr hier aussieht.

Mittwoch, 28. April 2010

Die Krieger des Lichtes

FINALE OLÈ OLÈ!!

Nun mal zu den weniger ernsten Dingen des Lebens, dem Alltag. Am Samstag ging es mit dem Sport gleich weiter. Auf dem Programm standen zwei Stunden Fussball, erneut habe ich vergessen ein Gruppenfoto von den fleißigen Bienchen zu machen, vielleicht klappts beim nächsten mal. 75% aller Tore des teams gingen auf mein Konto, trotzdem hat es nicht für eine Topplatzierung gereicht, wir mussten uns mit dem 3. von 3 Plätzen begnügen. Am Abend gingen Christiane und Ich zu Rainers Geburtstagsfeier, die er allerdings nicht lange miterlebte. Das lustigste am Abend war dann auch die Situation, als wir die toilettenspühlung betätigten, während der Gastgeber diese genauer unter die Lupe nahm. Er reagierte allerdings nicht großartig, keine Ahnung ob er es überhaupt realisiert hatte. Wir fandens lustig. Sonntag wieder Sport, diesmal ein Ausdauer-Kraft-Kurs, welcher mir bis heute Muskelkater am Bauch beschert. Abends zum See, lecker Burger grillen und die verlorenen Kalorien wieder reinholen.
Montag gingen Christiane, Philipp (dicker Bayernfan in jeder Hinsicht), Stefan, Christian und Cornelius (alles Leute die ich vorher schon kannte aber nie groß erwähnt habe da kaum mit ihnen was am Hut) in die MEGAZONE. Dies ist eine Art "Spielhölle" der moderneren Art, mittem im herzen der Stadt. Dort kann man unterirdisch Paintball und andere "Teamspiele" spielen, unter anderem auch Lasergame. Dabei ist man in teams von 6-7 Leuten zusammen, trägt eine Weste mit Sensoren an Burst, Rücken und Schultern sowie eine Pistole, mit der man die Feinde abschießen muss. Die Munition ist hierbei unendlich und das Ding feuert Laserstrahlen ab, mit welchen man den Sensor des Gegners treffen muss. Das Spielfeld misst 80x80 meter, ist extrem dunkel und natürlich schön eng und verschanzt alles. Dazu spielt eine Musik die eine Art Thriller/Kriegsgefühl aufkommen lässt. TOTAL GENIAL! Macht extrem Laune!! Und Super Hightech! Tolle Sache, habe ich zuvor noch nie gesehen! Leider ist es normalerweise relativ teuer (2x20min um die 12€), aber am Montag gabs einen Aktionstag, bei dem Man von 17-21uhr für 8€ spielen konnte. Als Schwabe investiert man dann halt auch mal gerne. Hätte ich gewusst das es so geil wird hätt ich n Foto mitgenommen, so konnte ich jetzt nur ein Foto von Christiane mit dem Handy machen, um eine ungefähre Vorstellung zu geben wie es aussah.


Samstag, 24. April 2010

Polarlichter, Die Zweite.

Am Donnerstag bekam ich mein kleines Päckchen von SWR3 mit einem kleinen Elch und einer sehr kleinen Dose Jagdwurst. Beides habe ich mir größer vorgestellt, aber man will ja nicht mosern wenn man was für lau bekommt. Nem geschenkten Gaul schaut mer ned ins Maul. Donnerstag lag dann auch ein Hauch von ChampionsLeague in Umea in der Luft. Gegen Paul mal wieder versucht mein bestes im Badminton zu geben. Die ersten zwei Spiele gingen an ihn, das dritte konnte ich dann 2:1 gewinnen! HA Endlich mal ein ganzes Spiel gegen ihn gewonnen! Das tut gut, erst recht mit Hinblick auf unser anstehendes Badmintonturnier welches am Freitag stattfand.
Bertrand, Coralie, Paul, Thierry und ich veranstalteten ein kleines 5er Turnier, jeden gegen jeden. Mein Ziel war es, die Top3 zu erreichen da mir Paul und Coralie dann für ein Turnier doch zu weit weg vorkommen, um vor Ihnen zu landen. Da alle im Verein spielen, mit Ausnahme Bertrand, war es durchaus auch anstrengend und kein selbstläufer. Sensationellerweise konnte ich die Zweitligaspielerin Coralie 2:1 (18:21; 21:19; 21:16) schlagen, ebenso ging ich mit jeweils 2:0 gegen Bertrand und Thierry als Sieger vom Feld. Für das letzte Spiel gegen Paul hat es zeitlich nicht mehr gereicht, aber das "Finale" wird demnächst nachgeholt, ebenso das sicher spannende Spiel zwischen Coralie und Paul. Nach dem Badmintonturnier relaxxte ich daheim, bis ich die Nordlicht-Vorhersage sah und die Stufe sich langsam auf Umea-Sichtbar-Level erhöhte.
So stapften Bertrand, Coutrney (Kanadische Austauschstudentin die ein Stockwerk unter uns wohnt) zum See und beobachteten für knapp 1 1/2 Stunden Polarlichter am See. Diesmal waren sie allerdings nicht so stark wie noch vor 2 Wochen, aber dennoch sichtbar für Auge und Kamera! Erwähnenswert wäre, dass bei einem Bild die Dämmerung heran rückt und man schon das Gefühl hat, die Sonne bald sehen zu können. Der Zeitpunkt der Aufnahme war 2:10. Eine kleiner Vorgeschmack auf das, was demnächst auf mich zu kommen wird, wenn die Nacht nicht mehr hereinbrechen wird. Ganz mithalten mit den tollen Fotos des Eyjafjallajökul mit Polarlichtern von gestern Abend, die ich heute auf SpiegelOnline gesehen habe, konnten unsere dann doch nicht. Glücklich, ein zweites mal Nordlichter gesehen zu haben, geh ich dann jetzt auch ins Bett. Gute Nacht.



Hier die besagten Bilder von SpiegelOnline aus Island: